Die Voyageurin
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Der Roman zeigt anhand der Hauptfigur Michelle, wie sich diese junge Frau trotz massiver Widerstände zweier Familien auf ihre ganz eigene Suche nach dem unbekannten Vater begibt.
Auf dieser Reise tauchen alte Bilder der Vergangenheit auf. Auch Isolde, Michelles Mutter, wird noch einmal mit ihrer persönlichen Geschichte und politischen Konstellationen im Nachkriegsdeutschland konfrontiert. Wut, Schmerz und Verletzungen müssen noch einmal durchlebt werden. Die Reise durch Frankreich auf “Vaters Spuren” entwickelt sich mehr und mehr zu einem Krimi.
Isolde, ihre Mutter, versucht immer wieder diese Suche zu behindern, um ihren eigenen Schmerz vergessen zu können. Aber Michelle ist und bleibt zeitlebens zäh und hartnäckig.
So wird auch Isolde letztendlich gezwungen, sich in “Isoldes Geschichte” mit ihrem eigenem Leben auseinander zu setzen. In Rückblenden erinnert sie sich an das Nachkriegsdeutschland, wie sie als junges Mädchen in Mecklenburg gelebt hat. Der viel zu frühe Tod ihrer Mutter Anna, reißt sie damals aus einem behüteten Leben. Aus unerklärlichen Gründen nimmt Lena, eine Freundin der Mutter aus Danzig, die 13-jährige Isolde zu sich auf.
Eines Tages wird Isolde mit der für sie fürchterlichen Wahrheit ihrer Herkunft konfrontiert: Sie soll angeblich das Kind von Lenas Bruder sein. Der Verdacht, dass Fritz und Anna eine geheime Liebesbeziehung führten, erhärtet sich. Isolde will diese Tatsache nicht akzeptieren und verdrängt sie aus ihrem Leben. Für immer.
Die Flucht aus der DDR verschlägt Isolde nach West-Deutschland, und nach Internat und Heim landet sie schließlich Anfang der 60er in Frankfurt.
Sie tritt ihre erste Stelle an, und lernt einen jungen Franzosen kennen, der zu ihrer großen Liebe wird. Isolde wird schwanger, Jean-Paul macht sich aus dem Staub und bleibt für Jahre unauffindbar.
Isolde verliert Job und Wohnung, muss das Kind in ein Heim geben. Nur durch die Heirat mit einem Engländer, und die damit verbundene Adoption Michelles, kann sie ihr Kind wieder zu sich nehmen.
Die Familie zieht nach England. Nach einigen Jahren entpuppt sich ihre Ehe als Hölle auf Erden, und Isolde kehrt fluchtartig mit ihren mittlerweile zwei Kindern nach Deutschland zurück.
Michelle, ein sehr eigenes und introvertiertes Kind, erfährt mit elf Jahren von ihrem leiblichen Vater. Aber Isolde rückt nicht mit der ganzen Wahrheit raus. Sie verrät keinen Nachnamen, und für Michelle bleibt die Suche nach diesem unbekannten Mann jahrelang ein aussichtsloses Unterfangen. Ein wütender Kampf zwischen Michelle und ihrer neuen Familie entfacht, der lange anhalten wird. Der Roman ist eingebettet in geschichtlichen Entwicklungen und einem Krimi mit einfühlsamen Sequenzen. Anhand der Romanfigur Michelle wird nachvollziehbar wie Kinder, die durch Scheidung, Adoption und Unehelichkeit geprägt sind, zwischen ihren aufgewühlten Gefühlswelten hin und her gerissen sind.
Wie fühlt sich die Wahrheit für alle Beteiligte an? Wo beginnt diese und wie viel Macht hat sie, ein Leben zu zerstören und zu welchen Schritten führt sie?
Und, wie verhält es sich mit der ewig vor sich hergetragenen Lebenslüge? Notwendiger Schutz, um zu überleben, oder ein Übel, dass bekämpft werden muss?
Es gibt viele Antworten, aber nur eine Frage: Wie hoch ist der Preis und wer muss dafür bezahlen?