Mit reinem Gewissen

Wie die Nachkriegskarrieren der Nazi-Richter unsere Rechtsordnung beschädigten
Ehemalige Wehrmachtjuristen waren in der Bundesrepublik als Richter, Staatsanwälte, Beamte, Dozenten tätig. Ihre Selbstrechtfertigungen wurden von Justiz und Gesellschaft weitgehend akzeptiert, während die Opfer der Militärgerichtsbarkeit lange um ihre Rehabilitierung kämpfen mussten. Das Buch zeigt, wie dadurch die demokratische Rechtsordnung eingeschränkt wurde: Frühere NS-­Militärrichter wie Erich Schwinge, Hans Filbinger und Ernst Mantel, der 1956 am Bundesgerichtshof das Todesurteil gegen Bonhoeffer bestätigte, trugen dazu bei, die Amnestie von NS­Schreibtischtätern durchzusetzen und den Widerstand gegen den NS­-Staat juristisch und politisch zu delegitimieren. Die Opfer des Terrors und ihre Angehörigen wurden erneut herabgewürdigt.

Herausgeber Joachim Perels, geb. 1942, Politikwissenschaftler, Mitbegründer und Redakteur der »Kritischen Justiz«; jüngste Veröffentlichung: »Erfolgsgeschichte Bundesrepublik?«
Wette, Wolfram, geb. 1940, Historiker, Friedensforscher; jüngste Veröffentlichung: »Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur«

Zwei Lebensläufe
8. September 2009

64 Jahre nach Ende der NS-Schreckensherrschaft, werden die Opfer (Deserteure, Verweigerer und andere angeblich ”Kriegsverräter” wenigstens juristisch rehabilitiert. Der Bundestag beschloss die pauschale Aufhebung von Urteilen aufgrund des Straftatbestands ”Kriegsverrat”. Der Beschluss, ursprünglich eine Initiative der Fraktion der Linken, fiel einstimmig. Die Union hatte die pauschale Rehabilitierung lange abgelehnt und das Gesetz damit blockiert.

Walter rief als junger Mensch immer wieder aus: ”Mensch, ich werde der Größte sein, einmal im Ring stehen, Mensch was wäre das schön!”

Walter konnte nie seine Träume verwirklichen. Er wurde nur 23 Jahre alt.