Allein unter Gurken
Während der Dreharbeiten zu einem Tatort, beginnt der Schauspieler Andreas Hoppe über das Cateringessen nachzudenken, welches sich verlockend vor ihm ausbreitet, aber ohne die Herkunft, Qualität und Zubereitungsart zu offenbaren. Das Badische Essen, zum Teil schwere Kost, fettreiche Soßen, Weine aller Trauben und Verarbeitung etc., die unregelmäßigen Essenszeiten, der ständige Jojo-Effekt seines Gewichtes zwischen den einzelnen Drehphasen verdeutlichen ihm, dass seine Ernährung einer gründlichen Revision bedarf. Jetzt, wo sich gefährlich nahe die Lebensmitte anbahnt, kleine und große Sünden der Vergangenheit sich hämisch zu Wort melden, und sich immer öfters in den Alltag drängen, setzt auch so etwas wie ein mahnendes Gewissen ein. Damit eröffnet sich schlagartig das weite Feld und damit sämtliche verbundenen Fragen zu den Themen lokale Ernährung, Ökologie, Bioessen und artgerechter Haltung, nicht nur von Mensch und Tier, sondern auch jeder tägliche Gang in den Supermarkt wird hinterfragt, bis hin zu dem Aufsuchen von Bauern und Herstellern von landesüblichem Obst und Gemüse, welche nicht tausende Kilometer durch die Weltgeschichte verschifft wurden, um hier in den Supermärkten angepriesen zu werden.
Immer wieder erinnert sich Andreas Hoppe an seinen Großvater und wie er, der mittlerweile bekannte Tatortkommissar, als kleiner Junge in Opas Garten alle Jahreszeiten miterlebte, sich in der Erde suhlen durfte, das Obst und Gemüse, dass wie selbstverständlich direkt vom Baum und Busch in seinen Mund wanderte. Pestizide, Gifte und saurer Regen waren damals kein diskutiertes Thema und gesunde Ernährung wurde von der Natur und dem Großvater wie selbstverständlich gratis mitgeliefert - trotz Berliner Luft und Mauer.
Diese Berliner Bilder aus der Kindheit begleiten Andreas Hoppe während seiner inneren Revision, die ihn immer wieder anspornen, sich wie sein Großvater sein eigenes Paradies an Natur und ökologisch angebauten Obst und Gemüse aufzubauen, was sich nicht immer als leicht erweist. Denn, was damals wie normal erschien, ist in der heutigen Zeit ein Luxusunternehmen und nur mit intensiver Mühe und einer stringenten Organisation zu bewerkstelligen. Dafür darf auch das nötige Kleingeld nicht fehlen, denn gesund ist teuer, nicht immer appetitlich anzusehen und ganz bestimmt nicht immer nach Lust und Laune parat und lieferbar! Ein Scheitern ist immer mit eingeschlossen, darf aber nicht zu einem Verlust von Lebensqualität führen. Denn trotz allem, das Leben soll auch noch Spaß machen und wenn eine Tür sich schließt, sollte der Mut gefunden werden die nächste zu öffnen, um wenigsten dahinter zu kieken! Die bequeme Realität, die seit Jahren prima funktionierte, lässt sich nicht so ohne weiteres abstreifen, wie ein alter Socken. Nicht immer spielt das Wetter mit. Die Zeit zwischen Job, Karriere und dem Aufbau seines Domizils auf dem Land, daneben das Hin- und Herpendeln zwischen Stadtwohnung (Termine, Agentin, Gespräche mit Regisseuren und Autoren) und der friedlichen Oase, die aber mit beiden Händen in mühsamer Arbeit Stein für Stein aufgebaut werden muss, so erlebt die Revision auch Rückschläge. Denn seine Ernährung umzustellen ist heute zeitgleich eine Umstellung einer Lebensphilosophie, deren neuer Sinn erst einmal gefunden werden muß. Die Grundlagen für diesen Sinneswandel findet Andreas Hoppe durch ein spirituelles Erleben in Kanada, wo er mit den Ureinwohnern, den Woodlandcree-Indianern, in Berührung kommt. Hier spürt er zum ersten Mal eine Verbindung zu dem was er als kleiner Junge erleben durfte. Die Kultur und Philosophie der Woodlandcree-Indianer, die ihn einladen an ihrer besonderen und naturverbundenen Welt teilzuhaben, geben ihm den Mut und die Kraft an seine eigene Mission zu glauben. Diesen Eindruck nimmt er mit nach Europa zurück und mit aller Kraft und Liebe baut er sich Schritt für Schritt sein neues Leben auf, das eigentlich seine Wurzeln und Ursprung schon in der Kindheit hatte.
So verbindet sich die Welt seines Großvaters mit die der Indianer, die auch heute noch ihre Berechtigung findet, und vieles von dem, was als Traum und Hoffnung entstand, kann er sich zu einem großen Teil erfüllen. Mit Rückschlägen, Witz und Humor und einer großen Portion an Hoffnung geht Andras Hoppe seinen ökotrophologischen „Jakobsweg“ und ist erstaunt und nicht selten überrascht, wen man auf diesem Weg begegnet, erfährt unterschiedlichste Meinungen und erlebt dubiose Einstellungen zu seinem Unterfangen.
Als Co-Autorin steht ihm die Schauspielerin und Autorin Jacqueline Roussety zur Seite, verleiht ihm ihre schriftstellerische Stimme und setzt all die spannenden Erfahrungen literarisch in Szene.
Der Kommissar wohl in seinem schwersten Fall, den er aber wie immer mit Charme und Bravour löst.